Ich bin in meinem Leben bestimmt schon 20 Mal umgezogen. Sehr oft habe ich die Wohnung bzw. WG gewechselt. Vielen Menschen bin ich auf ewig dankbar, weil sie mir fast zu oft beim Möbel schleppen, Wände abkleben und Umzugsauto organisieren helfen mussten. Ich habe aber erst in vier Städten gelebt (Helsinki, kurz in München, Köln und in Koblenz) und möchte euch meine Erfahrung mitteilen, wie man sich gut einleben und eingewöhnen kann.
Im ersten Teil schreibe ich meine Erfahrungen auf, wie du dir selbst am besten ein Netzwerk aufbauen kannst. Im zweiten Teil geht es darum, wie du mit deinem Kind gut in die neue Stadt und Umgebung zurechtkommen kannst. Abschließend gibt es noch einen dritten Teil mit einer kleinen Umfrage. Also, wenn dich das Thema interessiert, du vielleicht selbst bald umziehst oder du noch weitere Tipps hast (-> bitte in die Kommentare schreiben), kannst du jetzt gerne weiterlesen.
Teil 1: Baue dir ein Netzwerk auf für dich selbst:
- Facebook, Adressbuch, Telefon! Kontaktiere alle Leute, die du in der Stadt kennst, in die du ziehen wirst: „Hey, ich wohne bald in deiner Nähe / deiner Stadt. Hast du Zeit mit mir was zu unternehmen / mir die Stadt zu zeigen / dein Lieblingsort etc.?“ Wenn die Leute keinen Zeit haben, sich mir dir zu treffen, dich aber dennoch sympathisch finden, werden sie dich bestimmt zum nächsten Grillabend einladen. Und dort lernst du dann neue Leute aus der Stadt kennen etc. Es gibt natürlich auch Menschen, die sich auf diese Nachricht nie zurückmelden werden. Na und? Sei ihnen nicht böse, vielleicht haben sie einfach grade keine Zeit oder viel zu tun. Ich probiere es dann noch ein weiteres Mal, und wenn dann immer noch nichts zurück kommt, lösche ich die Nummer bzw. den Kontakt.
- Einweihungsparty! Wenn du neu in eine Stadt ziehst, dann mach das, was sich einfach gehört: schmeiss eine Einweihungsparty! Natürlich für deine Umzugshelfer, aber auch für deine neuen Nachbarn, Kollegen etc. und für alle Bekannte, die in deiner neuen Umgebung wohnen (s.o.), die du aber erst mal locker treffen möchtest, bevor du dich mit ihnen einzeln verabreden willst. Auf einer Party stellt sich dann meist heraus, wer auf deiner Wellenlänge liegt und mit wem du dich gerne öfter treffen möchtest.
- Geh raus! In deiner Wohnung wirst du keine Leute und keine schönen Orte kennenlernen. Klar, der Kaffee schmeckt auch zu Hause gut, und ist dort auch meist günstiger Aber nimm doch mal z.B. deine Arbeitssachen mit in ein Café. Genieß es, unter Leuten zu sein. Auch wenn dich niemand anspricht: der Mensch ist doch ein soziales Wesen und die alleine die Nähe von anderen Menschen kann beruhigend für die Seele sein. Du kannst dir auch vornehmen, z.B. jeden Tag 30 Minuten spazieren zu gehen, und zwar in eine Gegend, die du noch nicht kennst. Da nehme ich mir die Hundebesitzer zum Vorbild, die immer spazieren gehen müssen, und sich so meistens besonders gut in der Stadt auskennen.So wirst du bestimmt bald deine neue Stadt besser kennen lernen.
- Sag Ja! Die Kollegen fragen dich, ob du abends noch mitkommst auf ein Bierchen, du hast aber eigentlich einen gemütlichen Fernseh-Abend geplant. Wenn du einen Babysitter hast: Geh auf jeden Fall mit! Die Kollegin fragt dich, ob du in der Mittagspause mit spazieren gehst, du musst aber eigentlich noch etwas erledigen. Dann bleib nachmittags etwas länger (wenn dein Kind betreut wird), und gehe mit spazieren. Grade am Anfang solltest du Einladungen annehmen, auch wenn du vielleicht grade nicht so mega Bock darauf hast. Wenn die Erwartungen niedrig sind, können sie nur übertroffen werden. Meistens lohnt es sich!
- Pflege deine neuen Kontakte! Die Kollegin erzählt, dass sie einen wichtigen Arzttermin hat. Die Bekannte vom Yoga erwähnt, dass sie heiratet. Solche kleinen Dinge solltest du dir merken, und für den nächsten Small-Talk nutzen. Ich kenne Organisationstalente, die habe in ihrem Filofax eine extra Spalte für wichtige Termine ihrer Freunde. So vergessen sie nicht, bei der nächsten Prüfung Glück zu wünschen oder zum bestandenen Examen zu gratulieren. Grade diese kleinen Aufmerksamkeiten können Freundschaften entstehen lassen oder festigen.
- Nerv nicht! Manchmal ist es nur ein schmaler Grad und schwierig zu erkennen, ab wann man nervt und wann dein Verhalten ok ist. Kontakte pflegen ist wichtig, aber bitte sei nicht zu aufdringlich. Kann aber leider schwer sein, das abzuschätzen.
- Hör auf zu vergleichen! Der Zoo in der Nähe von Koblenz ist nicht so schön wie der in Köln. Früher konnte ich zu Fuß ins Schwimmbad, in Koblenz gibt es noch nicht mal eins etc. Stop it! Wenn du so denkst, wirst du immer Nachteile finden, die die neue Heimat gegenüber der alten hat. Aber jede Stadt hat auch ihre schöne Seiten und Besonderheiten, und grade diesen Dingen solltest du eine Chance geben. Das kannst du nur, wenn du unvoreingenommen bist. In Koblenz gibt es z.B. wunderschöne Rheinanlagen und in der Umgebung sind viele alte Burgen und Schlösser. Im Sommer ist das Freibad ganz nah, und es gibt sogar einen Wasserspielplatz für Kinder. Seh die schöne Dinge an, und hör auf dich an Nachteilen gegenüber der alten Stadt aufzureiben, es sei denn, du kannst diese ändern.
- Lade deine Homies ein! Geht aus, zu mehreren ist es einfacher Leute anzusprechen oder angesprochen zu werden. Kommt natürlich auch immer auf deine Freunde an!
- Sei freundlich! Der Radfahrer, die Frau beim Bäcker, der Paketbote können nichts für deine schlechte Laune. Also vermies ihnen auch nicht den Tag, die Stunde oder die Minute. Du willst doch nicht als Grummel-Grieskram in deinem neuen Viertel bekannt werden, oder?
- Und als letztes die Königsdisziplin: Sei alleine glücklich! Zeit mir dir selbst ist so wichtig und kostbar. Für mich ist es eine der Königsdisziplinen im Leben, diese Zeit mit mir selbst zu genießen, aktiv zu gestalten und wertzuschätzen. Nicht umsonst habe ich auf meinem Blog eine Kategorie: Zeit ohne Kind, die ich auch „Zeit mit mir“ hätte nennen können. Wenn du in dir selbst ruhst, wirkst du erstens attraktiver für andere. Und zweitens ist es dann vielleicht gar nicht so wichtig, dass du immer etwas mit anderen unternimmst. Die schönen Dinge im Leben solltest du zumindest mit dem wichtigsten Menschen teilen: mit dir selbst.
Baue dir ein Netzwerk auf für dein Kind
- Kindergarten und Kita. Da gibts bestimmt die ein oder anderen netten Kinder, mit denen dein Kind spielen möchte. Vielleicht sogar dann auch nachmittags nach der Betreuung.
- Spielplatz! Ok, ich bin eher weniger eine Spielplatzgängerin. Aber ich habe von Müttern und Vätern gehört, die sich dort gerne aufhalten. Und definitiv mag dein Kind es gerne dort zu spielen, alleine oder mit anderen Kindern. in Koblenz gibts im Sommer den Wasserspielplatz, den kann ich sehr empfehlen.
- Kindergruppen! Also Musik, Turnen, etc. Auch für wenig Geld wird oft was angeboten.
- Bekannte, die Bekannte mit Kindern haben, einbeziehen. Vielleicht trefft ihr jemanden auf der Wellenlänge eures Kindes.
- Internet, Facebook etc. Googelt mal, was bei euch so los ist. So bin ich z.B. auf das Familienfrühstück in der Kufa gestossen, oder auf familien-/kindgerechte Veranstaltungen wie die Museumsnacht.
Denkt dran: Freundschaften brauchen Zeit! Und macht eurem Kind keinen Druck, denn: mit wem seid ihr eigentlich noch befreundet, den ihr seit Kleinkindertagen kennt? Die meisten und besten Freundschaften entwickeln sich sowieso erst später, meiner Erfahrung nach.
Let go
Für einige Menschen ist es beruhigend zu wissen, dass sie nicht ewig an einem bestimmten Ort leben müssen. Die Welt steht dir auch noch offen, wenn du Rentner bist und in dein Altersdomizil auf Mallorca oder Ibiza ziehst. Meine Mutter z.B. wollte immer noch mal studieren, wenn sie mal nicht mehr arbeiten gehen müsste. Das hätte sie ja nur in einer Stadt mit Universität gekonnt. Aber auch vor der Rente bist du mobil. Ich wette mit dir, dein Job gibt es nicht nur an diesem einen Ort. Und eine Schule für dein Kind gibt es auch fast überall – auch wenn ein Schulwechsel immer reichlich und gut überlegt sein sollte. Was ich meine: Freiheitsliebende Menschen wehren sich gegen Ketten. Und obwohl du eine Weile an einem Ort wohnst, wirst du umziehen können. Du musst nicht bleiben, wenn du und deine Stadt keine Freunde werden.
Sehr schön,liebe Anja
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