Adventszeit ohne Handy

Schonmal daran gedacht, die Adventszeit ruhig zu gestalten und in diesen vier Wochen aufs Handy zu verzichten? Irgendwie schade, dass dieser Gedanke für viele Menschen unvorstellbar ist. Unser Handy ist doch ein Teil unserer Persönlichkeit. Auch auf der Weihnachtswunschliste stehen Smartphone und Zubehör ziemlich weit oben.

Gezwungenermaßen hatte ich die letzten drei Wochen eine Handyauszeit. Pause. Tod. Stillstand. Zurück ins Jahr 1990 oder so. VOR der Digitalisierung jedenfalls. Mein altes HTC hatte einen Totalschaden und ich habe einfach mal abgewartet, was passiert. Soviel schonmal vorweg: Es war sehr erholsam!

Was habe ich vermisst: Ich habe Instagram vermisst, und mich ein paar mal bei dem Gedanken ertappt: „Das würde ich jetzt gerne fotografieren und posten.“ Überhaupt musste ich Fotos in dieser Zeit mit meiner richtigen Kamera machen, die ziemlich schwer und umständlich zu tragen ist (auf jeden Fall schwerer als ein Handy). Youtube habe ich auch vermisst, weil ich es liebe zur Erholung und zum Abschalten Youtube Videos zu schauen, und das entspannt auf der Couch mit dem Smartphone einfach viel gemütlicher ist als am Schreibtisch vor dem Imac zu sitzen.

Neben dem Vermissen einiger Apps hatte ich mit dem Ableben meines Handys auch keinen Wecker mehr. „Zum Glück“ ist mein Sohn Toni jeden Morgen so früh wach, dass ich diesen gar nicht benötigte. Ich kam also auch so immer rechtzeitig zur Arbeit. In den Pausen während der Arbeit habe ich es allerdings sehr vermisst, ab und zu mal Twitter, Nachrichten, Facebook oder Mails zu checken!

Was mir wirklich fehlte und immer noch teilweise fehlt, waren und sind Telefonnummern und Daten einiger Menschen, die ich weder über Email noch über Soziale Netzwerke kontaktieren kann. Hoffentlich habe ich bald alle dieser Kontakte wieder zusammen. Selektiert werden hiermit automatisch diejenigen Personen, die in Vergessenheit geraten sind oder mich teilweise auch genervt haben.

Wenn jemand wirklich etwas dringendes von mir wollte, musste derjenige halt vorbei kommen. Ich habe nämlich auch kein Festnetz Telefon. Ich hatte gefühlt viel mehr Zeit und war nicht ständig abgelenkt. Das habe ich als sehr entspannend empfunden.

Die Reaktionen meiner Mitmenschen waren erstaunlich. Von „Anja, lebst du noch? Ich mache mir Sorgen!“ über „Anja, du verpasst 1000 Whatsapp Nachrichten, geh mal wieder online!“ war das Löschen meiner digitalen wohl fast gleichbedeutend wie mit realen Existenz, zumal die meisten meiner Freunde nicht in Koblenz leben und somit auch nicht spontan vorbei kommen können. Als ich einmal zum Arzt musste, konnte ich diesen nicht vorher anrufen und bin einfach hingegangen. Zum Glück- weil ich nämlich sofort dran kam (ein Patient war nicht erschienen), und telefonisch wahrscheinlich nur einen nächsten freien Termin im Februar bekommen hätte.

Die erwähnten verpassten Nachrichten waren übrigens nicht allzu dringend.

Seit gestern bin ich stolze Besitzerin eines neuen Iphones und wieder glücklich in der digitalen Welt angekommen zu sein. Heute morgen wurde ein Bild meines Frühstücks mit dem dazugehörigen Adventskranz bei Instagram gepostet. Meinen Freundinnen werde ich heute Adventsgrüße schicken. Meine Tante wird angerufen und wenn mein Sohn heute Plätzchen backt, wird dies fotografisch festgehalten. Heute Abend werde ich ein Youtube-Video von Naomi Smart gucken, die immer sonntags online kommen. Und wenn ich „Glück“ habe, wird mich mein Handywecker morgen früh vielleicht VOR Toni wecken.

 

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2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Ein Leben OHNE kann sich wohl niemand mehr vorstellen. Ich bin ja der Meinung,daß ich nicht viel dran bin… Whatsapp,EbayKleinanzeigen,Whatsapp. …Ebay….WordPress. Whatsapp. Nachrichten . Äh Whatsapp. ..EbayKleinanzeigen, WordPress. ..Photos. ….Also so oft ist das auch nicht😂😅echt schrecklich.

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    1. Aber echt! So geht es uns wohl allen! Und dann wundern wir uns, dass die Kids so versessen aufs Handy sind ….

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